Literaturstadt Berlin mit Matthias Nawrat und Simone Schröder | Internationales Literaturfestival Berlin
Shownotes
Literaturstadt Berlin: Mit Matthias Nawrat durch Berlin | Internationales Literaturfestival Berlin 2026 Berlin ist Literaturstadt, Sehnsuchtsort und seit Generationen ein Zuhause für Schriftsteller aus aller Welt. Passend zum Internationalen Literaturfestival Berlin (ILB) 2026 holen wir diese besondere Folge von Berlin Unboxed zurück: einen literarischen Spaziergang durch Berlin mit Simone Schröder, Programmleiterin beim Internationalen Literaturfestival Berlin, und Schriftsteller Matthias Nawrat, der 2026 mit dem Berliner Literaturpreis der Stiftung Preußische Seehandlung ausgezeichnet wurde. Gemeinsam spazieren wir vom Berliner Ensemble bis zum Dorotheenstädtischen Friedhof und fragen: Warum zieht Berlin seit mehr als 100 Jahren Autor, Intellektuelle und Künstler aus aller Welt an? Wie prägt die Stadt das Schreiben? Und warum entstehen gerade hier immer wieder neue Geschichten?
Im Interview:
- Simone Schröder, Programmleiterin des Internationalen Literaturfestivals Berlin
- Matthias Nawrat, Schriftsteller (u.a. Der traurige Gast, Wir zwei allein)
Nützliche Links:
- Mehr zum Internationalen Literatufestival Berlin
- Mehr zu den Büchern von Matthias Nawrat
- Literarisches Colloquium Berlin
- Literatur- & Kulturhäuser in Berlin
- Literatur, Lesungen & Slams in Berlin
- Literaturforum im Brechthaus
- In unserer ABOUT BERLIN App findet ihr weitere spannende Tipps und historische Geschichten zum Thema
Mit der Berlin Welcome Card habt ihr freie Fahrt mit Bus und Bahn in Berlin und erhaltet Ermäßigungen bei über 180 Attraktionen.
Team & Credits:
- Konzept & Inhaltliche Leitung: Josefine Köhn-Haskins
- Moderation & Produktion: Michael Kümritz, Audio4Future
- visitBerlin Co-Host: Jonathan Ponstingl
Intro & Outro: Kids of the Ironic Age
Coverfoto: Hartwig Klappert
Transkript anzeigen
00:00:00: Man kann in fast keiner anderen Kunst, so sehr in den Kopf von jemandem reinschauen oder das zumindest inszenieren im Schreiben und dadurch eine ganze Erfahrungswelt vermitteln.
00:00:10: Ja für mich ist es natürlich die Königsdisziplin ich bin mir aber sicher Musiker würden vielleicht was anderes sagen bildende Künstlerinnen würden etwas anderes sagen Aber für mich schon!
00:00:18: Für mich auf jeden Fall.
00:00:24: Willkommen bei Berlin Unboxed dem Visit Berlin Podcast mit neuen Perspektiven auf die Stadt.
00:00:33: Was ist es, dass Berlin zu einer Stadt der Literatur macht und gleichzeitig zum Sehnsuchtort vieler Schriftstellerinnen und Schriftstellern?
00:00:40: Um das herauszufinden sprechen wir über Berlin als Stoff für Geschichten.
00:00:44: Über den liberalen Status der Stadt die Unabhängigkeit der Literaturen und hören einen kleinen Ausschnitt aus einem Buch unseres Gastes und Autors Matthias Nachrad.
00:00:53: Das alles in dieser Episode verbunden mit der Einladung zum Internationalen Literaturfestival Berlin jedes Jahr im September und seit mehr als zwanzig Jahren Und das sind unsere Gäste.
00:01:04: Mein Name ist Matthias Navrat, ich wohne hier in Berlin seit etwa zwölf Jahren und bin Schifftsteller.
00:01:10: Ich freue mich total mit euch zu sprechen über Berlin und was es hier alles zu sehen gibt und was hier alles passiert ist und weshalb man hierher kommen könnte.
00:01:18: mal wieder!
00:01:18: Hallo, ich bin Simone Schröder und ich bin seit Jahrzehntausendsechzehn in Berlin und seit Jahrzeitzehnten arbeite ich für das Internationale Literaturfestival Berlin.
00:01:27: Ich bin da für das Programm zuständig.
00:01:30: Das heißt, ich überlege wie wir zum Festival einladen, wer bei uns auftreten und lesen könnte.
00:01:35: Ich überlege auch was für Themen-Schwerpunkte wir setzen könnten zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen aus dem Team Und freue mich sehr dass wir heute miteinander über die Literatur statt Berlin sprechen.
00:01:46: Das Festival ist glaube ich ein wichtiger Bestandteil davon Und wir arbeiten oft viel mit allen möglichen Akteuren der Literatur statt Berlin zusammen.
00:01:54: Also es ist wie so ein Knotenpunkt eigentlich und das macht mir wirklich sehr viel Spaß!
00:01:58: Ich bin Michael, euch viel Freude mit dieser Episode Berlin Unboxed dem Podcast von VisitBerlin.
00:02:11: Wo trifft man sich wenn man über Literatur in Berlin reden möchte?
00:02:14: Es gibt offen gesagt so viele Möglichkeiten.
00:02:17: Wir haben uns zum Start für das Berliner Ensemble entschieden.
00:02:21: Warum?
00:02:21: Also das ist ein Ort, der für die Literatur sehr wichtig war und ist.
00:02:26: Das in den Zwanzigern schon ein wichtiges Theater war, das hieß damals noch nicht Berliner Ensemble.
00:02:31: Damals wurde schon – wir stehen nämlich auch vor dem Denkmal von Brecht.
00:02:35: Damals wurden schon Stücke von Brecht hier gespielt und später nach dem zweiten Weltkrieg war er hier künstlerischer Leiter, also zusammen mit seiner Frau Helene Weigl die Intendantin hier war.
00:02:45: Das heißt ein wichtiger Ort für Berlin und dann natürlich auch später für die Teilungen Berlins insofern einen sehr starken Bezug zur Literatur zu Theater.
00:02:53: das geht ja Hand in Hand immer wieder.
00:02:55: ich weiß nicht wie es euch geht.
00:02:56: warum ist das für euch wichtig?
00:02:57: der Ort?
00:02:58: Ja, also literaturgeschichtlich ist das natürlich ein total wichtiger Ort.
00:03:02: Also das Who Is Who?
00:03:03: der Theater-Geschichte hat hier entweder auf der Bühne gestanden oder im Publikum gesessen.
00:03:06: Das reicht von so unterschiedlichen Leuten wie Lotte Linja zu Beno Bisson Peter Zadek Amin Müllerstahl und Matthias hat eben schon recht genannt.
00:03:15: die drei Kroschenoper hat hier Uraufführungen gefeiert und wird bis heute ja auch gespielt.
00:03:21: man kann sich heute noch anschauen in Berlin aus und wir sind inzwischen in einer anderen Inszenierung als damals versteht es sich Aber immer noch sehenswert.
00:03:29: und für uns als Literaturfestival ist es auch ein wichtiger Ort, weil wir hier auch Lesungen veranstalten.
00:03:34: Und das ist wirklich auch was ganz Besonderes.
00:03:36: im großen Saal des Berliner Ensemble zu sitzen, der einfach unglaublich schön ist!
00:03:40: Das muss man einfach mal sagen mit
00:03:42: hunderten
00:03:42: anderen und dann eine Lesung zu folgen – das ist toll!
00:03:45: Ist es übertrieben zu sagen als Schriftsteller?
00:03:48: Das sind so Orte die natürlich inspirieren dir ein oder natürlich merkt man hier auch den geschichtlichen Teil offensichtlich auch erlebt haben?
00:03:59: Naja, das sind sozusagen diese offensichtlichen Orte.
00:04:01: Die halt alle kennen mich inspiriert dann eher so zu sagen in die Nebenstraßen zu gehen oder überhaupt hier unterwegs zu sein.
00:04:09: man muss sich ja vorstellen man lebt ja hier man ist ständig unterwegs man hat Erledigungen zu machen und so weiter und kommt an diesen Orten ja häufig dann einfach vorbei.
00:04:17: Und als Schriftsteller sucht man immer eigentlich nach diesen Hinterwinkeln und nach den Dingen die irgendwie nicht offensichtig sind.
00:04:24: also man gräbt sicher ein.
00:04:25: Also die tatsache dass wir natürlich nicht nur Schriftsteller in, sondern auch viele andere Menschen.
00:04:30: Dass es sie sprichwörtlich nach Berlin zieht was wir total nachvollziehen können.
00:04:33: aber wie viel hat das tatsächlich mit der... Ausstrahlung vielleicht auch von Berlin zu tun?
00:04:37: für dich?
00:04:38: Na ja, Berlin ist einfach ein extremer Knotenpunkt für so vieles.
00:04:42: Wenn man hier durch die Straßen läuft sieht man wirklich diese Schichtungen Man sieht diese Brachen und man weiß genau aus welcher Gewaltgeschichte das kommt.
00:04:49: Das sieht man hier alles Und man sieht natürlich auch die Gegenwart.
00:04:52: Berlin ist in einer extrem gegenwärtigen Stadt.
00:04:54: gleichzeitig.
00:04:54: Man sieht sozusagen die heutige Gewalt-Geschichte Die syrischen Geflüchteten, die ukrainischen Gefluchteten Die leben hier alle zusammen.
00:05:01: und es ist zum Beispiel auch total interessant dass Berlin eher eine Stadt der Mikrowelden.
00:05:05: Es gibt so viele Mikrokosten.
00:05:06: Ich bin ja selber, ich komme aus Polen, bin in Polen aufgewachsen und bin quasi noch vor dem Mauerfall, sind wir geflohen aus Poln.
00:05:13: Das heißt diese Ost-Westgeschichte spielt für mich eine Rolle aber auch dieser Bezug dann zu der Gegenwart und wie die Fluchtgeschichten sich immer wieder reaktualisieren.
00:05:21: Auch das sieht man ständig in Berlin.
00:05:23: Das faszinierend daran also auch die kulturelle Vielfalt, die das bedeutet und natürlich auch die literarische Vielfaltung, weil es ne Stadt ist in der unglaublich viele Autoren Welt sind, denen wird auch häufig geholfen.
00:05:37: Also es gibt hier verschiedene Programme wie eben auch verfolgte AutorInnen hier irgendwie Zuflucht finden können und es gibt sehr viele Szenen in denen diese Menschen sozusagen auch wieder Anlauf finden so dass deren Schreiben auch wieder irgendwie Gehör findet und nicht sozusagen verloren geht durch dieser Gewaltgeschichte und die Unterbrechung ihrer Leben dort woher sie fliehen mussten.
00:05:56: Es passiert sehr viel.
00:05:57: eben auch die queere Szene ist ja sehr stark vertreten und schafft es irgendwie so Safe Spaces zu kreieren nur in der Literatur auch in anderen Bereichen.
00:06:05: Und in der literatur ist es für mich total nah und ich sehe total, wie wichtig das ist.
00:06:10: Ja Berlin ist auf jeden Fall eine Literaturstadt der Diaspora also ein Safe Space gewissermaßen für Autorinnen die in ihren Ländern nicht mehr veröffentlichen und schreiben können, die hierher kommen und die hier das dann im besten falle irgendwie fortsetzen können.
00:06:26: Das Besondere.
00:06:27: um das noch einzufügen, in Berlin war diese Situation schon immer so.
00:06:31: Ja man fragt sich ja teilweise warum sind so viele interessante internationale Künstlerinnen nach Berlin gekommen zur Zeit der Weimarer Republik?
00:06:39: Warum hatte es diese Anziehungskraft und ich glaube dieser liberale Status der Stadt war schon ein Grund dafür also dass ist eben eine Offenheit gab, dass es Freiräume gab.
00:06:50: Das ist queere Literaturmagazine gehabt, Clubs, Bars in die man gehen konnte.
00:06:55: also das Magnus Hirschfeld-Institut war für Sexualforschung war so ein ganz wichtiger Knotenpunkt glaube ich und hatte auch eine internationale Strahlkraft.
00:07:03: also so britische Autoren wie Christopher Isherwood und W.H.
00:07:07: Orden sind auch nach Berlin gekommen weil es hier Gaybars gab und es gibt an einer Stelle aus in Christopher Ischerwoods Tagebüchern heißt das Berlin Man Boys.
00:07:18: Und in der Anfangszeit des Aufkommens Nationalsozialismus geht es auch in seinen Tagebüchern an Notizen, wo er darüber schreibt erst mal wie adrette er die jungen NS-Männer in ihren Uniformen fand bevor ist ihm dann hier doch zu heiß wurde und nach Kalifornien gegangen ist.
00:07:35: Die Nazis haben ja diese Freiräume mutwillig zerstört, die Protagonisten vertrieben ermordet
00:07:43: und ganz viel kaputt gemacht.
00:07:50: Wir wollen jetzt mal einen Blick aufs internationale Literaturfestival in Berlin werfen und damit auf besondere, auch ungewöhnliche Orte.
00:07:59: In jedem Jahr wechselnde Orte an denen gelesen uns Literatur erlebt wird.
00:08:03: Ja also zur Einstimmung auf das Festival findet traditionell immer am Sonntag vor Festivalbeginn eine kollektive Literatur Performance in ganz Berlin statt, das heißt Berlin liest.
00:08:13: Da kann wirklich jede und jeder sich beteiligen und entweder selbst gewählte Texte vorlesen oder auch etwas von den Büchern unserer Gäste die wir vorschlagen.
00:08:23: dafür dann des Festival wird in Berlin Mitte beginnen.
00:08:26: Wir sind erst in da an verschiedenen Orten.
00:08:28: Berliner Ensemble, ist einer davon.
00:08:30: In der Staatsbibliothek unter den Linden sind wir im Koligium Hungaricum Berlin und in der Bertelsmann Repräsentanz.
00:08:36: Und in der zweiten Woche sind wir dann vor allem im Haus der Berliner Festspiele im westlichen Teil der Stadt.
00:08:42: Das sind so die Zentren des Festivals.
00:08:44: und dann gibt es aber auch noch eine ganze Reihe weiterer Orte das Instituto Cervantes Berlin was ein wichtiger Ort für die spanischsprachige Literatur Szene in Berlin.
00:08:53: Wir machen aber auch zum Beispiel Lesungen in Berliner Gefängnissen, also in Justizworld-Zugsansteiten.
00:08:58: Und da findet dieses Jahr zum ersten Mal eine öffentliche Lesung statt die man sich auch anhören kann und dann gemeinsam mit den Inhaftierten Dennis Utlu erleben kann ein wunderbarer Outer der dessen neue Roman im Sommer rauskommt.
00:09:10: Da geht es so eine Vatersohnengeschichte im deutsch-türkischen Milieu und denen kann man da in der JVAA erleben
00:09:17: wenn man möchte.
00:09:26: Also nur weil wir gerade kurz vorbeilaufen am Urstein Buchverlag.
00:09:29: das ist eigentlich ein schöner Gedanke gewesen.
00:09:31: Du hattest das aus dem historischen Kontext raus, dass es Verlage und Berlin quasi dann ganz, ganz großen Wandel gab innerhalb der letzten, ich sag mal so knapp Hundert Jahre eigentlich.
00:09:40: Genau, im Jahr neunzehntfünfundzwanzig hab' ich nachgelesen, gab's in Berlin über vier Millionen Einwohnern.
00:09:45: also die Stadt war zum einen größer als heute was man nicht alle wissen glaube ich aber auch die Literatur Szene war größer.
00:09:52: Also es gab in Berlin neunhundert achtundzwanziger Verlage Und eine Tausend Achthundertneunundseipzig Buchhandlungen.
00:10:00: Zum Vergleich, heute gibt es noch hunderteinundfünfzig Verlage also neunte von dem was ist?
00:10:06: Neunzehnfünfundzwanzig gab und zweihundertsiebenundzwanziger Buchhandlung!
00:10:09: Was im gesamtdeutschen Vergleich immer noch Spitze ist, aber es hat viel viel weniger.
00:10:13: und man fragt sich wo sind die alle
00:10:14: hin?!
00:10:15: Ich glaube, der Grund ist einfach das geschriebene Wort.
00:10:17: Damals eine größere Wichtigkeit hatte auch so im funktionalen Bereich.
00:10:21: Also vieles was heute übernommen wird dann eben von digitalen Medien oder auch von Fernsehen hat damals natürlich also geschrieben stattgefunden.
00:10:29: und vielleicht deswegen?
00:10:30: Vielleicht waren das ja nicht unbedingt alles so hochliteralische Verlage sondern zum Beispiel eben auch Verlage die Zeitschriften Zeitungen geduckt haben oder irgendwelche Pamphlete oder keine Ahnung.
00:10:39: Also in nicht im abwertenden Sinne Pamphlete sondern halt Flugblätter und solche Ja, aber ich denke klar gelesen wird natürlich auch weniger.
00:10:48: Weil vieles was früher nur durchs Lesen an Informationen aufgenommen werden konnte, wird heute über andere Kanäle transportiert.
00:10:57: Literatur findet ja zum Teil auch in den sozialen Medien oder so statt.
00:11:00: auf TikTok gibt es Book Talk.
00:11:04: Also Literatur kann auch außerhalb von zwei Buchdeckeln stattfinden, aber damals war das natürlich das zentrale Medium des Buches.
00:11:11: und was ich noch total spannend fand – man sagt ja oft heute dass Berlin eine Stadt der Diaspora ist, aber es war damals auch schon so, dass dreihundertsechzigtausend Russinnen aus Russland geflohen sind nach Berlin vor der Revolution.
00:11:28: Genau,
00:11:29: also eine Irrzahl und die haben vor allem in Charlottenburg gelebt und Charlotnenburg hat deswegen damals den Spitznamen Charlottenkrad bekommen und es gab wirklich.
00:11:40: Berlin war sowas wie die dritte Hauptstadt des russischen Geisteslebens wird's oft genannt und es gibt zum Beispiel neununddreißig russische Tageszeitungen in berlin, neunzehnunddreiundzwanzig Mit der russischen Verlage.
00:11:54: sind also Zahlen, die ich bei der Recherche für unser Gespräch heute gefunden habe.
00:11:59: Die ich total spannend finde und wo glaube auch ganz viele Geschichten dahinter stecken.
00:12:05: Wenn ich die Möglichkeit hätte mal in der Zeit zurückzureisen dann würde ich sehr gerne mal Vladimir Nabokov Besuchten, denn der hat damals auch für über zehn Jahre in Charlottenburg gelebt mit seiner Familie und war Teil von dieser russischen Community.
00:12:18: Dass wir das zeitlich einordnen können?
00:12:20: Zu welcher Zeit war das ungefähr?
00:12:22: Das war von neunzeitzweinzwanzig bis neunzentzechsunddreißig.
00:12:25: also Nabokov hat erst in Oxford studiert und ist dann zu seiner Familie nach Berlin gezogen.
00:12:31: Sein Vater ist ums Leben gekommen bei dem Versuch zwei russische Terroristen aufzuhalten die einen Anschlag
00:12:36: verübt
00:12:37: haben hier in Berlin und er wurde dabei umgebracht.
00:12:39: Und Nabokov hat mit seiner Familie hier gelebt.
00:12:43: Es gibt unter Germanisten die Theorie, dass er zu der Zeit eine deutsche Novelle mit dem Titel Lolita gelesen hat und das ist ein Vorlage war für seinen Erfolgs-Roman.
00:12:54: aber... Man weiß nicht, ob er
00:12:55: gut genug Deutsch sprach
00:12:58: um das überhaupt zu verstehen.
00:12:59: Ich denke ja schon!
00:13:00: Aber wenn ich in der Zeit reisen könnte dann würde ich ihm an die Suche abstatten und mal checken wie gut sein Deutsch war.
00:13:05: Dann könnten wir ihn einfach fragen
00:13:06: aber was für eine schöne Geschichte auch tatsächlich?
00:13:16: Durch den Trubel der Stadt geht es für uns zum Dorotheenstädtischen Friedhof und damit zur letzten Station auf unserer literarischen Reise durch Berlin einer Die bekanntesten Friedhöfe Berlins, ein ganz besonderer Ort und Ruhestätte vieler berühmter Künstlerin und Persönlichkeit.
00:13:32: Ja also was jetzt so bekannte Persönlichkeiten anbelangt und jetzt im Besonderen aus der Literatur da ist sicher Christa Wolff und Anna Seegers sind dazu nennen Brecht natürlich und Helene Weigel, also Brechts Frau die ja auch eine bekannte Künstlerin war.
00:13:47: Von so jüngeren Generationen.
00:13:50: sicher Heiner Müller ist da zu nennen der auch ein interessantes Grab hat weil er sehr viel geraucht.
00:13:55: Er war ein Kettenraucher und neben seinem Grab steht jetzt so eine Vogeltänke die in Form eines Aschenbechers gestaltet ist.
00:14:01: Und vielleicht die Person die jetzt von den bekannteren Schiffstellern der jüngsten Zeitgeschichte hier begraben liegt es Wolfgang Herndorf Also der Autor von Sand.
00:14:12: Wir stehen hier vor dem Grab von Thomas Prasch, das würde ich vielleicht auch erwähnen.
00:14:15: Also einer der ganz wichtigen Lyrica der DDR-Zeit und immer kritisch seinem eigenen Land gegenüberstand, aber sich auch mit dem Westen oder sich vom Westen nicht vereinnahmen lassen wollen.
00:14:29: Und das ist ein besonders schönes Grab für mich.
00:14:31: die Skulptur hat der Bildhauer Alexander Polzin gestaltet.
00:14:36: Ein ganz schöner friedlicher Ort finde.
00:14:39: ich bin hier immer gerne hergekommen als unser Büro noch gegenüber war in der Mittagspause.
00:14:44: man kann hier auch gut Vögel beobachten zum Beispiel Grünspechte habe ich oft schon gesehen Und abends kann man hier um die Ecke werden.
00:14:52: Ein mehr nach lebendiger Literatur ist auch Lesungen erleben nämlich im Literaturfonds, im Prechthaus was vorne ist.
00:14:58: das ist eines der fünf städtlich geförderten Literaturhäuser.
00:15:01: die machen hochkarätiges Veranstaltungsprogramm eine der wichtigen Literaturorte in Berlin.
00:15:07: Ist es das erste Buch was wir rausfinden während des Podcasts eigentlich für Zeit?
00:15:12: Genau, ich lese eine ganz kurze Passage aus meinem Roman der traurige Gast.
00:15:17: Das ist ein Roman über Berlin als Transitraum könnte man sagen also für sehr viele Biografien die eben Biographien von Ausgewanderten sind in diese Stadt kommen und sich mal besser mal schlechter hier wieder verwurzeln.
00:15:29: Und diese Passage, die ich aber lese ist so mitten aus dem Buch gegriffen und die zeigt jetzt auch vielleicht noch mal einen ganz anderen Aspekt von Berlin den ich auch sehr literarisch oder sehr poetisch finde immer wieder wenn ich das so erlebe irgendwie hier in Berlin.
00:15:43: Dieses kleine Kapitel heißt Sommer.
00:15:47: Die Hitze war noch nicht da Aber es war warm geworden.
00:15:50: Es waren nun zu spüren wie weit im Norden wir waren.
00:15:54: Bis kurz vor Mitternacht war es Tag hell und schon ab halb vier Uhr war über den Dächern im Osten wieder ein türkiser Schimmer zu sehen.
00:16:02: Ich hatte mein Fahrrad reparieren lassen, ich fuhr damit am liebsten nachts herum wenn die Straßen leer waren.
00:16:09: Einmal fuhre ich zum Potsdamer Platz.
00:16:12: Die Lichter der Wolkenkratzer um das Sony Center beleuchteten die Stille der nächtlichen Stadt.
00:16:18: Ich fuhr zwischen den Wohnblöcken herum, niemand außer mir war auf der Straße kein Autofuhr.
00:16:23: Es war warm!
00:16:25: Ich erreichte den Anhalterbahnhof und bock nach rechts Richtung Kanal.
00:16:30: Unter der verrosteten Brücke der U-I blieb ich stehen und hörte ein paar Minuten lang dem Flöten einer Nachtigall zu die irgendwo in einer der letzten Brachen der Stadt verborgen auf einem Ast saß und in die Stadt, in die Leere und Stille der Nacht hineinsam.
00:16:52: Simone, vielen Dank auch für deine vielen Gedanken zu dem Thema.
00:16:55: Schön dass du dich damit so viel auseinandersetzen kannst und das mit uns treu jetzt.
00:16:59: Vielen dank!
00:17:00: Ja danke auch von meiner Seite.
00:17:01: und wer jetzt neugierig geworden ist auf die Literaturstadt Berlin es gibt eine eigene Webseite literaturstadt.berlin.
00:17:08: und ja wer im september in berlin ist oder Auch Lust hat vorbeizukommen, eine ganz herzliche Einladung an dieser Stelle zum International Literaturfestival Berlin.
00:17:20: Man kann rund hundertvierzig AutorInnen aus der ganzen Welt bei uns erleben.
00:17:24: in Veranstaltungen.
00:17:26: Es gibt ein großes Kinder- und Jugendprogramm es gibt einen Graphic Novel Day
00:17:30: Zickgründe
00:17:31: im September nach Berlin zu kommen und das ILB zu besuchen.
00:17:34: Vielen Dank für das spannende Gespräch heute mit euch!
00:17:38: Ja, vielen Dank dass ich zum Gespräch eingeladen wurde.
00:17:40: Das hat mir wirklich sehr viel Spaß gemacht.
00:17:42: Ich glaube auch viel Neues gelernt.
00:18:00: Alle Infos auch auf WessetBerlin.de.
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