Die Karl-Marx-Allee: Faszination der Moderne

Shownotes

Anlässlich der Ausstellung „Josef-Kaiser: Bauen für die DDR“ in der Berlinischen Galerie besuchen wir in dieser Podcastfolge die Karl-Marx-Allee und blicken hinter die Kulissen seiner Bauten in der Karl-Marx-Allee. Dabei stellen wir uns die Frage, was die Architektur der klassischen Moderne auszeichnet und warum sie heute noch so faszinierend ist. Wir sprechen mit der Kuratorin der Ausstellung Ursula Müllerund Dr. Thomas Köhler über den Architekten Josef Kaiser und besuchen dessen Bauten.

Im Kino International erzählt uns Thorge Horch mehr über die bewegte Geschichte des Kinos. Danch stellt uns Inhaber Alex Neumann das Konzept der wieder eröffneten MOKKA*MILCH vor. Und gemeinsam ergründen wir die bis heute anhaltende Faszination der Architektur dieser außergewöhnlichen Straße.

Im Interview: • Thomas Köhler, Direktor der Berlinischen Galerie, Museum für moderne Kunst • Ursula Müller, Kuratorin der Josef-Kaiser-Ausstellung in der Berlinischen Galerie • Thore Horch, zuständig für Premieren und Events im Kino International • Alex Neumann, Gründer Mokka*Milch • Kristin Buller, Teamlead Content Creation bei visitBerlin • Pauline Braune, Moderation

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Team & Credits Redaktion & Co-Moderation: Kristin Buller, visitBerlin Moderation: Pauline Braune, Die Podcastproduzenten Produktion: Die Podcastproduzenten Inhaltliche Leitung: Josefine Köhn-Haskins, visitBerlin Coverfoto: LDA, Foto: Wolfgang_Bittner Intro & Outro: Nia`s Labyrinth

Wenn euch die Folge gefallen hat, abonniert Berlin Unboxed, bewertet den Podcast und teilt die Episode mit Menschen, mit denen ihr vielleicht gerne mal über die Karl-Marx-Allee flanieren möchtet.

Transkript anzeigen

00:00:04: Wer heute über die Karl-Marx-Salle spaziert, bewegt sich durch ein Stück Architekturgeschichte.

00:00:09: Breite Boulevardes, elegante Fassaden, ikonische Gebäude und mittendrin Orte wie frisch wieder eröffnete Mokka-Milch

00:00:17: oder

00:00:18: das Kino International, dass nach seiner Renovierung in den neuen Glanz erstrahlt.

00:00:23: Beide wurden für einen Start gebaut, den es seit über thirty fünf Jahren nicht mehr gibt – und trotzdem wirken sie erstaunlich modern!

00:00:31: Fast so, als wären sie nie aus der Zeit gefallen.

00:00:35: Doch warum fasziniert uns die Architektur der DDR heute wieder?

00:00:39: Warum erleben ihre Gebäude gerade ein echtes Comeback?

00:00:42: und was erzählt uns die Karl-Marx Allee über Berlin damals und heute?

00:00:47: Genau diesen Fragen gehen wir in dieser Folge von Berlin an Box nach.

00:00:51: Anlass ist die neue Ausstellung Josef Kaiser Bauen für die DDR in der berlinischen Galerie.

00:00:58: Josef Kaiser entwarf einige der bekanntesten Gebäude entlang der Karl-Marx-Ali.

00:01:02: Darunter auch das Kino International und die legendäre Mokka-Milch-Eisbar.

00:01:06: Die Nummer ist Pauline Braunow, gemeinsam mit Visit Berlin-Redakteurin Christine Bullard treffe ich in dieser Folge spannende Gäste.

00:01:16: Zusammen schauen wir hinter den Fassaden einer

00:01:18: Straße, wie kaum eine andere

00:01:20: die Geschichte Berlins

00:01:21: erzählt.

00:01:24: Und damit hi und herzlich willkommen zu Berlin Unboxed – dem Visit Berlin Podcast mit neuen Perspektiven auf die Stadt!

00:01:33: Christine, schön dass du mit dabei bist.

00:01:35: Ja hallo ich freue mich auch hier zu sein mitten auf der Karl-Marx Allee.

00:01:41: Ich würde sagen bevor wir über die einzelnen Gebäude sprechen lohnt sich wirklich das mir nochmal einen Blick auf die Straße selbst werfen?

00:01:47: denn diese drei Kilometer lange Allee ist weit mehr als nur eine Verkehrsachse zwischen Alexanderplatz und Frankfurter Tor stimmt's?

00:01:55: Ja, ganz genau.

00:01:56: Es ist wirklich eine einzigartige Straße nicht nur in Berlin sondern auch ganz Deutschland.

00:02:02: Sie ist wirklich ein monumentaler Allee

00:02:05: einer

00:02:06: ganz besonderen Architektur geprägt von der... Stalinistischen Architektur der Zeit.

00:02:15: Ja, deswegen

00:02:16: hieß sie auch Stalinalet tatsächlich bis einundsechzig.

00:02:18: Genau!

00:02:19: Das heißt wir haben hier so eine Monumentalarchitektura wirklich mit Säulen und Bögen.

00:02:26: Türme haben wir auch links- und rechts.

00:02:29: Die sind wiederum geprägt von der Schenkelarchitektor vom Jandarmenmarkt.

00:02:33: Von den beiden Domen dort auf dem Jandarmemarkt.

00:02:36: das heißt da haben wir hier das direkte Zitat Und man muss sich das wirklich vorstellen, dass es eine große Panorama-Allee, die ja auch gerne in Filmen genutzt wird.

00:02:47: Also der letzte Pan im Film beispielsweise.

00:02:49: wenn man sich das anguckt hat man diese Sichtachse runter entlang der Karl Marx Allee.

00:02:55: Die Allee ist aber nicht nur ein Architektur Ensemble sondern sie ist auch ein politisches Symbol.

00:03:02: Ja natürlich, das ist ja eine Architektur geprägt von dem Zeitgeist.

00:03:06: Das heißt also wir sprechen hier über die fünftigste, sechzige Jahre und es war so ein bisschen auch der Kampf der Systeme, der sich in der Architekatur wiedergespiegelt hat.

00:03:19: Also es gab im Jahr nineteenhundert siebenundfünfzig die internationale Bauausstellung im Westen.

00:03:26: Da stand das Hansa Viertel Und das ist hier sozusagen das Gegenstück der DDR.

00:03:32: Das heißt, man hat auch zwei verschiedene Architektur-Style die sich eben auch als Darstellung des Systems verstanden haben.

00:03:42: und was wir hier natürlich auch haben es wirklich DDR Geschichte.

00:03:46: Wir haben hier ja auch einen historischen Ort denn das ist der Ort des Volksaufstandes von siebzehnten Juni dreiundfünfzig das waren die erste Streiks gegen die Erhöhung der Arbeitsnormen zum großen Aufstand ausgeweitet hat, der mit Panzern niedergeschlagen worden ist.

00:04:04: Also auch Bilder die ja um die Welt gegangen sind und was man jetzt noch mal sagen muss.

00:04:10: also wir hatten jetzt so ein bisschen über den ersten Teil gesprochen.

00:04:14: Wir sind jetzt aber hier ein bisschen im zweiten Teil, wo man auch sieht dass die Architektur sich auch hier verändert hat.

00:04:20: Denn hier haben wir mehr ich würde sagen Gebäude im Stil der klassischen Moderne das heißt die Bäude sind etwas schlichter natürlich auch noch mit Verziehe-Elementen Aber haben dann doch eine ganz andere Formensprache.

00:04:34: Ja auch natürlich ganz klassisch.

00:04:36: Großblock Bauweise, also Plattenbau sehen wir hier auch.

00:04:40: Also die klassischen Gebäude der nineteenhundertsechziger Jahre aber es hat auch einen schönen Scham.

00:04:46: Die Architektur der Karl-Marx-Ali sollte quasi nicht nur beeindrucken sondern es sollte richtig das Leben der Menschen prägen

00:04:53: und dazu

00:04:54: gehörten eben nicht nur die Wohnungen sondern auch Orte zum Ausgehen für Kultur und für Begegnung.

00:05:19: Wir stehen jetzt in einem Gebäude, das wahrscheinlich jeder Berliner und jede Berlinerin schon einmal gesehen hat.

00:05:24: Und zwar das Kino International.

00:05:27: Es war das Premierekino der DEFA-Ausdragungsort großer Filmabende und gehört bis heute zu den wichtigsten Kinos der Stadt.

00:05:35: Nach einer aufwendigen Sanierung im Jahr ist es heute denkmalgeschützte Architektur mit modernster Kinotechnik.

00:05:42: Wer sich hier gut auskennt, Tore Hörg.

00:05:45: Zuständig für Premiere und Events im Kino International.

00:05:48: Tore schön dass wir da sein dürfen.

00:05:50: Hallo herzlich willkommen!

00:05:51: Also in der Panorama-Bar ist neben diesem wunderschönen Eichenpaket gibt es fantastische Kronleuchter und direkt hinter der Bar eine deckenhohe Installation von so Leuchtenden Quadraten.

00:06:06: Wie kann man das noch besser beschreiben?

00:06:09: Es gibt so einen leichten klassischen Disco-Vibe, dadurch dass es wie New Yorker Discos der Boden ... Und wir haben.

00:06:19: tatsächlich war das vorher auch schon möglich aber nicht ganz so elegant.

00:06:23: und jetzt mit den neuen Verkabelungen machen wir zum Beispiel oft abends, dass wir ein bisschen Bewegung reingehen und dass manche Flächen dimmen und es nochmal mehr noch so einen Effekt hat.

00:06:33: Dann leuchten quasi nicht alle in unterschiedlichen Türkischartierungen, sondern auch ein Quadrat das ganz gelb.

00:06:39: Ein Quadrat dass ganz rosa ist.

00:06:41: Die Farbe kommt tatsächlich aus den Scheiben die sind gefärbt aber genau wir können mit der Helligkeit spielen und jetzt sind die ganzen Kästen aufeinander abgetrennt.

00:06:49: vorher haben sie immer so wild ineinander übergeleuchtet und jetzt können wir wir können auch mal so iLaw irgendwas reinschreiben einzelne Buchstaben durchlaufen lassen.

00:06:58: Ja, ich glaube das ist auch wirklich schon mal was ganz Besonderes.

00:07:00: Dass man so dieses elegante Fourier jetzt in diesen wirklich sehr imposanten Kinosaal gehen kann.

00:07:16: Im Kinosaalt würde ich sagen machen wir es uns einfach... ...in der Mitte hier auf Einzelnen der Reihen bequem!

00:07:25: Ich hutsche mal hier rein.

00:07:27: Also vielleicht kann man schonmal sagen Es ist wirklich einer der schönsten Kinosäle der Stadt.

00:07:32: Mit einem silbernen Vorhang vor der Leinwand hat man sonst auch nicht.

00:07:40: Du hast schon erzählt, dass eigentlich so gut wie alles erhalten wurde?

00:07:44: War das eine Auflage, die nur vom Denkmalschutz kam oder war es was, was ihr selbst umsetzen wolltet?

00:07:51: Tatsächlich ist das Haus offiziell ein Denkmal nationaler Bedeutung.

00:07:56: Deswegen haben wir alle Schritte zusammen mit dem Denkmachschutz ... Und die waren immer in der Planung involviert, die unteren Denkmalbehörde und das Landesdenkmalamt.

00:08:05: Das ist quasi auch schon ein paar Jahre vor der Sanierung.

00:08:08: wurde es denn offiziell auf Landesebene gehoben so dass unsere Hauptansprechpersonen beim Landes-Denkmalamt Berlin direkt sind?

00:08:15: Auf der anderen Seite wollten wir das auch weil auch wir das Haus so mögen wie es ist.

00:08:19: Wir haben schon viele Jahre vorher mit der Planungen angefangen und am Ende von der zweiten Planungssitzung oder sowas hatte ich dann die Erkenntnis Moment, wir werden für damals einen Jahr ganz optimistisch geschätzt.

00:08:30: Was sich denn schnell als unrealistischer herausgestellt hat?

00:08:33: Schließen und danach sieht das Haus aus wie vorher sind die Leute der nicht enttäuscht.

00:08:37: Und dann haben wir als wir es kommuniziert haben dass das ansteht Ganz schnell festgestellt nein Die leute wollen das auch die leute wünschen sich das und doch wir.

00:08:45: Das haus ist einfach sehr gut entworfen.

00:08:47: Es funktioniert einfach wunderbar als kino.

00:08:51: Es hat diese Geschichte, aber eben auch einfach den Charme und die Atmosphäre.

00:08:55: Das ist nicht mal aus einem rein historischen Aspekt sondern es ist ein gut entworfenes Gebäude so dass wir einerseits nicht wollen und einfach nicht verändern müssen.

00:09:05: Es funktioniert einfach!

00:09:07: Die Architektur wirkt ja heute noch total modern und elegant also sehr zeitlos.

00:09:13: was würdest du sagen zeichnet die Architektor hier aus?

00:09:16: Da, wo wir gerade eben waren, ich mag zum Beispiel dieses Detail im Erdgeschoss.

00:09:20: Die Bodengestaltung ist die gleiche wie ums Kino herum und auch die Wände im Inneren sind die gleichen als im Äußeren vom Haus.

00:09:27: Und so ist es wirklich.

00:09:29: buchstäblich hat das eine niedrige Eingangsschwelle.

00:09:32: Also unten ist dieses Gebäude noch ganz klar mit der Nachbarschaft verbunden.

00:09:37: Das ist auch das, wie wir Kino verstehen.

00:09:40: Neuch hatte ich eine Führung mit Architekturstudierenden.

00:09:42: Da hat einer von den Studierenden das gesagt, bei vielen klassischen Opern oder Theatern muss sich so wirklich buchstäblich zur Kultur hochlaufen die breiten Treppen vor dem Gebäude und hier ist es ganz niederschwellig.

00:09:53: Und genau solche Details, solche Feinheiten des ganzen Hauses sehr symmetrisches ist egal ob ich links oder rechts hoch gehe diese hohen Decken... Das schreit alles!

00:10:03: Hier ist ein repräsentatives Gebäud Wo zu es ja auch gedacht war Und das ist wirklich konsequent.

00:10:10: zu Ende in allen Bereichen auch dieser Raum.

00:10:12: Ich habe angefangen hier zu arbeiten, weil ich in einem Kino arbeiten wollte und das ist einfach ein sehr gutes Kino.

00:10:18: Wir haben hier eigentlich nögendwo schlechte Plätze selbst wenn ich ganz vorne sitze.

00:10:22: dadurch dass ich noch diese breite Bühne hab für Filmgespräche, habe ich einen guten Abstand zur Leinwand auch an der Seite.

00:10:27: Ich sitz eigentlich immer, habe gute Blickwinkel es ist nicht total steil wie viele neue Kinos wo ich am Ende so von oben auf die Leinwand runter gucke Genau, und dann auch diese ganzen Ausstattungselemente.

00:10:39: Also es ist ein sehr geradliniger Entwurf aber durch die ganzen Feinheiten in der Wandgestaltung hier im Raum, indem wir jetzt sitzen sehe ich eigentlich die Technik nicht.

00:10:49: Ich habe regelmäßig Führungen wo Leute entfragen, wo kommt denn das Licht her?

00:10:52: Und dass alles in diesen Holzkasten verkleidet versteckt.

00:10:55: Die Lautsprecher sind auch nicht so, dass sich irgendwie in der Decke Löcher hab oder sowas sondern das alles hinter diesen Holzlammeln die aber auch nicht nur schick aussehen sondern für die Akustik total gut sind Und was dann auch wiederum Gestaltungselement ist, was ich durchs ganze Haus ziehe.

00:11:09: Was ich schon unten so als kleines Foreshadowing habe.

00:11:16: Genau und das ist einfach sehr rund, sehr stimmig!

00:11:19: Ja du hattest ja eben schon gesagt dass es ein repräsentatives Kino ist Es hat ja auch viel Geschichte erlebt.

00:11:26: Also es war ja früher Premiere-Kino, eben auch natürlich die großen Deva-Filme.

00:11:30: Deva muss man vielleicht heute schon ein bisschen erklären was das ist also sozusagen die Filmproduktion der DDR Und war hier Premierenkino und hat ja auch wirklich Geschichtsmomente erlebt.

00:11:46: Vielleicht magst du da noch ein bisschen was erzählen?

00:11:49: Wir hatten jetzt erst von paar Wochen, also die DEFA wird dieses Jahr, zwanzig, sechsundzwanzig wird sie, achtzig Jahre alt.

00:11:54: deswegen haben wir einmal pro Monat an einem Sonntag eine Martinee wo wir alte DEFA-Filme zeigen und wir hatten jetzt vor ein paar Wochen unter der Woche weil das war auf den Tag genau der sechzigste Jahrestag von der Premiere von Spur der Steine mit Manfred Krug Und das ist zum Beispiel ein ganz interessanter Fall.

00:12:12: Gerade die DEFA war natürlich auch ein politisches Instrument und es waren dann von der DEFA produzierter Film, der denn aber zum Zeitpunkt als er in die Kinos kam schon... also wahrscheinlich anders geworden ist als die politische Führung es erwartet hat und hatte Premiere hier im Haus und lief dann auch drei vier Tage und wurde dann verboten und die Vorstellung gab's nicht mehr.

00:12:35: Auch weil Leute in den Kinoseelen gegen den Filmen protestiert haben und den Film niedergebrüllt haben, unter anderem auch in diesem Gebäude.

00:12:45: Wo man mutmaßt, dass das wiederum politische Akteure waren die dazu angehalten wurden das zu tun damit man sagen kann der film widerspricht dem wille des folges und genau soll nicht mehr gezeigt werden dann dazu gleichmehr war er neunund achtzig im herbst ein winter.

00:13:03: der mauerfall und die berlinale ist ja immer zwanzig sehr immer Februar.

00:13:10: und schon noch im Februar, also schon vor der richtigen Wiedervereinigung ist die Berlinale denn hier schon wieder ins Kino gekommen.

00:13:21: Und in dem Rahmen war auch die Wiederaufführung von Spur der Steine.

00:13:24: Also es war was man noch nicht vergessen hat in den Jahren dazwischen und wo das Interesse sehr groß war.

00:13:32: Das ist ein großer Moment.

00:13:34: Die größte Geschichte, die auch nachhaltig die Identität dieses Kinos geprägt hat ist in der Nacht des Mauerfalz.

00:13:40: Da hat völlig zufällig die DDR die Premiere vom ersten Queren-Film, den DDR produziert hat, Coming Out von Heiner Karo.

00:13:48: Der hatte hier Premiere.

00:13:49: Das Interesse war riesig!

00:13:50: Es gab zwei Vorstellungen und zwischen den Vorstellungsraten saß der Carst in der Panorama Bar und hat sich gewundert, warum so viel los ist auf den Straßenbau.

00:13:57: Damals gab es kein Twitter oder sonst was und man hatte einfach nicht diesen Nachrichtenbezug diese permanente Aktualität wie heutzutage.

00:14:04: Es war wohl sogar ein ZDF-Team da weil das Interesse so riesig war Und sie haben jemanden interviewt der denn so sinngemäß danach gesagt hat nachdem er den Film gesehen hat Der Film ist total nah am Zeitgeist und eigentlich passt das bei dem ganzen Startbrochen Coming Out.

00:14:18: Wenn man den Mauerfall als Coming-Out bezeichnen will, dann ist genau das Zeitgleich passiert.

00:14:23: Dieser Startschuss für die Intentität des Hauses ... Wir haben seit Ende der Neunziger jeden Montag eine der ältesten durchgehenden Filmreihen Europas mit dem Mangei.

00:14:35: Die während der Schließung noch im Babylon Kreuzberg war und jetzt wieder bei uns ist.

00:14:39: Und auch manchmal Babylon hatten queere Parties in den neunzigern und nuller Jahren hier im Haus.

00:14:45: Und das ist auch einfach so.

00:14:46: ein Selbstverständnis, ein wichtiges Anliegen von der York-Gruppe da eine breite, breites Programm zu spielen.

00:14:53: Und ihr seid ja immer noch Berlinale Kino?

00:14:55: Genau!

00:14:55: Also hier auch viele große Momente erlebt also omschamptiom als Schaukarn hier die Hütte Niederriss kann man fast sagen also jubelnde Menschen überall dass es war als ob Brad Pitt und Tom Cruise zusammen hier gewesen wären Da als Maurice Jah hier sein Ehrenbeeren bekommen hat und er wirklich schon als altes fragiles Männchen in Rollstuhl reingefahren wurde.

00:15:19: Aber es war so ein toller Moment, also ganz vieles was man mit verknüpft.

00:15:25: Ja das gehört auch dazu, dass wir als wir im Jahr zwanzig, dreinzwanzig das sechstliche Rehabilium des Hauses gefeiert haben Ist uns auch klar geworden, dass das Haus länger ein York-Haus und ein gesamtdeutsches Haus ist als ein DDR-House.

00:15:37: Und dass die Geschichte nicht mit der Nacht des Mauerfalls endete sondern denn noch mal neu an Fahrt aufgenommen hat.

00:15:42: Wir natürlich nicht nur auch Premieren wie Sonnenallee hatten oder Goodbye Lenin, sondern eben auch nach wie vor einfach breites internationale Spektrum hier spielen und eben auch die Berlinale seit dem Durchgängig da ist.

00:15:54: Die haben auch schon angeklopft und wollen sehr gerne wiederkommen... Ja, hört nicht auf die Geschichten zu schreiben.

00:16:01: Dadurch dass es ja auch immer wieder neue Geschichten gibt.

00:16:03: Ihr habt jetzt mehr als zwei Jahre saniert und im Februar in dem Jahr ist das Haus dann angenommen worden vom Publikum?

00:16:11: Knapp

00:16:12: unter zwei Jahren!

00:16:15: Das war ein ganz großer Punkt in der Kommunikation, dass wir eine Berliner Baustelle waren, die früher fertig geworden sind als geplant, wenn auch nur zwei Monate.

00:16:23: Und auch im Kostenplan.

00:16:25: Genau, das Interesse war riesig also klassisch in den Medien, wir waren glaube ich auf fast allen relevanten Tageszeitungen auf dem Cover aber auch einfach beim Publikum.

00:16:35: Also wir haben an einem Montag mit dem Programm begonnen und hatten am Sonntag noch einen Tag der offenen Tür wo wir aber Tickets also Null-Euro-Tickets angeboten haben und die waren glaub ich innerhalb von einer Stunde vergriffen bei irgendwie zweitausend Slots.

00:16:48: Und wir haben es ja so gemacht dass trotzdem Leute die dieses Ticketverfahren nicht mitgekriegt haben konnten trotzdem alle rein.

00:16:54: Wir mussten niemand weg schicken an dem tag.

00:16:57: Also da war schon das Feedback überwältigend und auch in den Tagen.

00:17:02: Wir waren die ersten zehn Tage, weil jede Hauptvorstellung ausverkauft ist.

00:17:06: Das Feedback ist einstimmig sehr zufrieden.

00:17:09: Die Leute sind sehr angetan, dass wir es nicht umgebaut oder umformt haben.

00:17:13: Wir haben noch mal zwei Sitzreien rausgenommen für mehr Beinfahrheit.

00:17:16: also auch das Kinoerlebnis ist optimiert.

00:17:19: einen Laserprojektor, eine Siebpunkt-Eins-Tonanlage also aus einer reinen technischen Perspektive.

00:17:24: Das war auch immer der Anspruch von diesem repräsentativen Gebäude dass es eben auch Kinoerlebnis und Kinoprojektionstechnisch herausrangte ist.

00:17:32: Auch das treffen wir

00:17:34: abseits davon dass man mal vorbeikommen muss um sich hier unbedingt eine Filmverführung anschauen soll.

00:17:40: was wäre denn dein Tipp auf der Karl Marx Allee?

00:17:43: Tatsächlich Überraschenderweise ist das Kino International auch ohne Kinoprogramm.

00:17:48: Wozu wir die Leute einladen?

00:17:50: Weil ich brauche das Kinoticket erst für den Saal selbst, also ich kann in die Bar oben und kann Kaffee trinken abends einen Longdrink auch ohne Kino-Ticket.

00:17:58: Und dass gerade jetzt zusammen mit diesem Dreieck was wir endlich hier wieder an der Kamarxalie haben mit der Mokka-Miche Eisball mit dem Salonbarbett.

00:18:06: Das ist ein sehr gutes Miteinander weil wir alle unterschiedliche Schwerpunkte haben.

00:18:10: Das funktioniert gut zusammen.

00:18:12: Einfach dieses Schlendern nicht U-Bahnhof Schillingstraße auszusteigen, sondern früher ein bisschen später vom Alex oder von der Janowitzbrücke herzulaufen.

00:18:21: Das ist einfach eine Promenade auf der man sehr gut spazieren kann mit breiten Fußwegen, wo man ganz entspannt lang laufen kann.

00:18:29: Ja!

00:18:30: Vielen Dank, Torre, dass du uns hier einmal hinter die Kulissen geführt hast.

00:18:34: Herzlichen Dank

00:18:35: und wir nehmen uns dem Tipp gleich an und wandern einmal rüber zur Mockermilch Nur einmal über die Straße.

00:18:44: neben dem Kino International gehen wir jetzt in die Mokka-Milchbar, die viele Berlinerinnen und Berliner noch aus DDR-Zeiten kennen.

00:18:52: Und die heute unter dem Namen Mokkamilch neu eröffnet wurde... ...und treffen Gründer Alex Neumann!

00:19:08: Wir schauen uns jetzt an wie sich der Ort heute funktioniert und warum er so viele Menschen anzieht.

00:19:13: Hi Alex!

00:19:14: Hallo herzliche willkommen.

00:19:16: ja Steigen wir vielleicht gleich mal ein.

00:19:18: Wir sitzen hier jetzt in dieser wirklich coolen, neuen ... nicht mehr eisbar Mokka-Milch?

00:19:26: Was ist denn das Konzept eigentlich?

00:19:28: Ihr habt ja vor gar nicht allzu langer Zeit eröffnet mit eben doch einem bisschen neuem Ansatz!

00:19:35: Genau, was wir bewahren wollten als allererstes ist dass das der Ort früher auch schon war allseisbar.

00:19:40: Aber es war primär ein Ort der Begegnung wo sich Leute getroffen haben um sich auszutauschen zu den verschiedensten Themen um eine gute Zeit zu haben und Auszeit zu haben.

00:19:48: Also das ist früher hier passiert und das ist das wichtigste was wir auch bewahren wollen.

00:19:53: Wir machen das jetzt sozusagen mit drei Säulen also wenn die Gastronomie Restaurant Café war.

00:19:59: Wir haben Arbeitsplätze, also Co-working Flächen wo Leute auch herkommen können um gemeinsam zu arbeiten.

00:20:06: Und wir haben Veranstaltungsflächen für veranstalten verschiedenste Arztes Lesungen Yoga Pilates Schachtunniere etc.

00:20:13: Also all diese drei Sachen um eben die Begegnung zu fördern.

00:20:16: Warum ist es euch so wichtig die Menschen zusammenzubringen?

00:20:21: Weil wir natürlich Post-Corona, aber vielleicht schon vorher angefangen mit all unseren Bildschirmen.

00:20:28: Schon irgendwie langsam vereinsam und sehr viel Zeit alleine unter dem Bildschirm verbringen.

00:20:32: Und das zufolge hat eben dass es ist vereinzelt gibt es Polarisierung gibt et cetera und viele Themen können einfach gelöst werden wenn man sich einfach trifft und austauscht und dafür wollen wir halt einen Ort.

00:20:42: oder haben wir ein Ort geschaffen?

00:20:45: Inwiefern knüpft

00:20:46: er die

00:20:48: Inneneinrichtung an historischer Inneinrichtung eigentlich an.

00:20:53: Also gab es da auch Auflagen vom Denkmalschutz?

00:20:58: Genau, vom Denkmalschutz gab's sehr strenge Auflagen vor allem was die Fassade angeht aber auch für drin.

00:21:02: und da haben wir versucht den Spagat hinzubekommen zwischen dem sechstiger Jahre flair des Ortes gerecht zu werden und trotzdem irgendwie auch im heute anzukommen.

00:21:12: und deswegen glaube ich ist das so eine Mischung aus Sechstigern und zwei tausendsechsundzwanzig.

00:21:16: Ich glaub' es ist ganz gut gelungen!

00:21:18: Kann ich auf jeden Fall bestätigen, also ich finde es sehr schön.

00:21:21: Wir können ja ein bisschen beschreiben wie's hier drin aussieht.

00:21:23: Also wir haben viel Teppich, wir haben schöne dunkle Holztusche und dazu gerade hier oben in dem Bereich Ohrensessel in creme braun blau rot also schöne satte Farben Die natürlich diesen großen hellen Raum entsprechend ergänzen uns eine gemütlichkeit schaffen würde ich sagen

00:21:41: Ja

00:21:43: Und sie haben auch noch alle diesen Mid-Century Style Charakter.

00:21:46: Sie könnten auch von Fritz Hansen entworfen worden sein, dieses Esseltchen.

00:21:50: Also ja es hat wirklich so ein sechstiger Jahre Flair das Ganze aber frisch und munter.

00:21:59: Bekommt ihr das dann gespiegelt von Gästen die hier sind dass die Architektur auch was ist?

00:22:05: was Sie hier ganz bewusst wahrnehmen.

00:22:07: Ja, also viele sagen es ist sehr ähnlich wie früher vor allem die Stühle und die Sessel das wird oft angemerkt und glaube ich auch die Farben.

00:22:14: Also es ist nicht so dass genau so ist.

00:22:15: aber viele haben einzelne Elemente wo sie sagen ah das erkenne ich wieder.

00:22:20: Wir beschreiben mal noch kurz wo wir sind und zwar sitzen wir ja im oberen Bereich Und können trotzdem fantastisch raus gucken weil wir wirklich von der Decke bis runter zur Straße bodentiefe Fenster haben und rüber gucken können auf die Fassade des Kino International.

00:22:37: Und deswegen, nachdem wir hier so den Innenraum beschrieben haben würde ich auch gerne nochmal auf das draußen kommen.

00:22:42: was zeichnet denn da die Architektur

00:22:45: aus?

00:22:46: Ich glaube schon so ein bisschen der Kontrast auch zu den Gebäuden dahinter.

00:22:50: Also ich glaub für die Zeit war das, ich bin kein Architektur-Spezialist aber war es schon ein bisschen gewagt.

00:22:54: Auch im Kontrast zu der Karl-Marx alle ein bisschen weiter hinten mit dem Hestet Zuckerbecker-Stil und diese sehr imposanten großen aufwendigen Gebäude ist das

00:23:03: jedoch sehr schlicht

00:23:05: von der Architektor von den großen Fenstern, von den Formen

00:23:07: her.

00:23:08: Ich glaube das war was ganz besonderes, was ganz anderes zurzeit.

00:23:12: Ja das glaube ich auch.

00:23:13: Und was auch toll ist Auch hier von unserem Blick aus sehen wir sozusagen die Seitenfassade vom Kino International und sehen jetzt auch diese ganzen tollen Reliefs, wie man von vorne, wenn man eigentlich reingeht.

00:23:26: Es geht mir ja direkt ins Kino rein gar nicht so wahrnimmt.

00:23:30: Also auch hier öffnet sich wieder eine ganz neue Perspektive auf ... Ja!

00:23:36: Die Stadt.

00:23:37: Solange

00:23:38: habt ihr noch gar nicht eröffnet?

00:23:40: Wie ist dann bisher die Resonanz?

00:23:42: Wie hat die Mockermilch angenommen worden?

00:23:45: Wir glauben sehr gut, wir haben am Tag ca.

00:23:48: vier bis fünf Hundert Gäste hier und aus den verschiedensten Alters- und Hintergründen.

00:23:54: von daher sehr gut quantitativ.

00:23:58: Schönes Feedback auch, dass sehr viele Leute sich freuen, dass dieser Ort wieder belebt wird.

00:24:01: Also vor allem von denen die ihn von früher kennen und andere, die ihn

00:24:05: nicht kennen

00:24:06: finden halt das Ambiente schön oder das Design besonders oder ähnlich.

00:24:10: Was ich ein klitzchen kleines bisschen habe ist einige Leute, die es auch wünschen, dass es genau so ist wie Ende der Sechziger.

00:24:16: Das ist natürlich nicht realistisch aber ich glaube auch für sie haben wir was Neues mit dem wir die einfangen können.

00:24:21: Alex vielen Dank für den Einblick hier!

00:24:24: Danke für euren Besuch!

00:24:25: Herzlichen

00:24:26: Dank!

00:24:34: Wer sich mit der Architektur auf der Karl-Marx-Alle beschäftigt, dem begegnet immer wieder derselbe Name.

00:24:39: Und zwar Josef Kaiser!

00:24:41: Viele kennen wahrscheinlich seine Gebäude aber kaum jemand kennt den Menschen dahinter.

00:24:45: und genau das möchte die berlinische Galerie ändern.

00:24:49: Seit Ende August wird mit das Museum JosefKaiser erstmals eine große Ausstellung und unsere letzten Gäste für diese Folge sind deshalb Thomas Köhler, der Direktor der Berlinischen Galerie.

00:25:03: Herr Köhler, Frau Müller.

00:25:04: Schön dass Sie da sind.

00:25:06: Vielen Dank für die Einladung.

00:25:08: Wer war denn dieser Architekt überhaupt?

00:25:11: Erst mal kann man vielleicht festhalten das es für uns ein großes Anliegen ist diesen Namen überhaupt.

00:25:16: eine Besonderheit im Architekturgeschehen der DDR ist es ja, dass man im Kollektiv

00:25:21: gearbeitet hat.

00:25:22: Das heißt die einzelnen Namen, die einzelne Protagonistinnen wurden gar nicht so stark in der Öffentlichkeit behandelt und es war auch gar nicht gern gesehen das man eine eigene Reputation oder so ein bisschen Ruhm aufgebaut hat.

00:25:36: also deswegen das ist vielleicht erstmal der erste Anlass diesem Architekten auch einen Werk an die Seite zu stellen die in Berlin mal waren oder hier leben.

00:25:48: Josef Kaiser war ein sehr wichtiger Architekt in der DDR, aber sein Name ist nach Hermann Hänselmann kennen sehr viele, Richard Pauli kennen sehr viel, Hans Hopp.

00:25:58: Er war mehr im Hintergrund gewesen gerade was die Anfangszeit der DDR betrifft.

00:26:03: also er hat ja hier in dieser Karl-Marx Allee sehr wichtige Bauten gebaut, aber eben wie Thomas Köhler schon sagte im Kollektiv und Drei eben genannten Architekten waren ja Leiter der Meisterwerkstätten.

00:26:16: Als er dann begann zu bauen, gab es das gar nicht mehr so.

00:26:20: Da hat die Kollektivierung in der Tat eingesetzt und da wollte man das gar nie mehr.

00:26:24: Er hatte ein eigenes Kollektif, er hatte es auch immer Kollektief Josef Kaiser genannt aber es war wirklich nichts sehr gewollt dass er ihn vordergrund trat.

00:26:34: Vielleicht kann man auch noch dazu sagen, dass er uns als Person unglaublich wichtig erscheint.

00:26:39: Er hat in drei unterschiedlichen Systemen gelebt und auch Architektur praktiziert – Jahrgang, Jahrzehnte und Jahrzehn, da hat er schon einiges in seiner Biografie an Besonderheiten vorzuweisen.

00:26:54: Tätigkeit in den dreißiger Jahren, dann eine neue Definition zu der Ula Müller gleich noch was sagen wird und dann eben auch seine Zeit in der DDR.

00:27:01: Das sind sehr, sehr bedeutende Stationen seines Lebens die ihn auch wirklich sehr interessant erscheinen lassen in unseren Augen.

00:27:09: Ja das ist richtig weil er kam ja aus dem heutigen Slowenien damals Österreich-Ungarn.

00:27:16: so eine kleine Stadt die heißt heute Celje kennt man eigentlich nicht so und hat dann in Prag studiert.

00:27:24: Das war auch die erste tschechoslowakische Republik, also auch da hat er schon einen Wechsel erlebt was das Regime an...

00:27:30: Vom Kaiserreich zu?

00:27:31: Vom Kaisereich dazu ersten Republik in der Tschechoslowakei.

00:27:36: Und dann

00:27:37: kam

00:27:37: der Nationalsozialismus.

00:27:38: Dann ist er nach Weimar und Berlin um auch bauen zu können weil er sich erhofft hat dass da viele Aufträge kommen Und da erlebte er den Nationalsozialismus.

00:27:50: Da hat er neun Jahre lang in dem System die ersten Erfahrungen gesammelt, das war für ihn sehr prägend.

00:27:57: also nicht nur diese Pragerzeit, diese Zwischenkriegszeit zwischen Ersten und Zweiten Weltkrieg wo er schon die ersten Architekturen natürlich auch wahrnahm und merkte was sich da veränderte und er war Sudeten-Deutscher, er war da auch in der Minderheit.

00:28:12: Also auch das hat er kennengelernt, er hat sich da eben auch orientiert um dann eben im Nationalsozialismus erst Erfahrung zu machen und dann in der DDR zu beginnen, in den Neunzeltfünfzig gleich.

00:28:25: Also das war für ihn schon ein immer wieder neues Anpassen an neue Umständesysteme – das war gar nicht so einfach!

00:28:32: Wie er sich versucht hat dem immer wieder anzupassen und er musste ja auch Geld und wollte Geld verdienen arbeiten und wie er das geschafft hatte ist es auch ein wichtiges Thema in unserer Ausstellung.

00:28:43: Architektur ist ja auch immer politisch.

00:28:45: Deswegen kann man schon mit Fug- und Recht fragen, wie systemkonform hat er überhaupt gearbeitet.

00:28:52: Wie sehr hat er sich angepasst?

00:28:54: Wie sehr hatte aber auch den Blick... ins Ausland gerichtet, um da Inspiration zu empfangen.

00:29:00: Also das ist wirklich auch ein Punkt seiner Biografie der uns sehr interessant erscheint.

00:29:04: welche Äußerungen gibt es da?

00:29:06: Wie nah war er jeweils an den Regimen und wie unabhängig hat er seine Architektur praktiziert?

00:29:11: Ja spannend ist ja auch zu sehen also wie diese Architektu dann eben auch wiederum international aufgenommen worden ist.

00:29:18: denn das ist ja schon Wenn wir uns hier umschauen, ein Gebäude.

00:29:23: Also die Mokka Milcheisbar und das Kino International nebenan, die mit einem gewissen Anspruch ja auch gebaut worden sind...

00:29:32: Da hatte er natürlich wegen dieser Bauaufgabe, die ja höchste repräsentative Funktion erfüllen musste für die DDR – das war jetzt!

00:29:40: der erste sozialistische Boulevard und ein großes, wichtiges Symbol im Kalten Krieg.

00:29:46: Deswegen durfte er dann natürlich unter den Gegebenheiten auch noch relativ viel umsetzen.

00:29:52: also das war sozusagen auch ein Glücksfall.

00:29:55: Und was er immer wieder betont hat zu seinen westdeutschen Kollegen Das gab ja auch immer da die Konkurrenz in dem Abgleich Inwieweit er auch einen siebenhundert Meter langen riesigen Boulevard mit Hochbauten besetzen konnte und das entwickeln konnte.

00:30:11: Das war auch eine große Neuigkeit, was ihn abgrenzte.

00:30:15: Genau!

00:30:15: Das gab es in Westdeutschland nicht.

00:30:16: Und überhaupt hat der Westen ja doch immer ein wenig gering schätzig auf diese systemkonforme Architektur des Ostens geschaut.

00:30:24: Diese ästhetische Neubewertung kann man sagen – der Ost-Moderne – und damit meine ich nicht nur die DDR sondern eigentlich alle sozialistischen Länder ist noch nicht so alt Denn steht ja auch ganz viel in Bezug zu Verlust und Abriss.

00:30:39: Also diese Neubewertung ist wichtig, aber relativ neu!

00:30:43: Und in diesem Kontext ist auch unsere Ausstellung zu sehen, denn bei der Wiederöffnung des Kino International hat man gemerkt – da stand nicht nur das Kino und dessen Programm im Mittelpunkt und was dafür Filme liefen sondern die Architektur.

00:30:56: Das fand ich großartig bei dieser Wiederöffnungen.

00:30:58: Es merkt man dass dieses Gebäude da vereint sich unglaublich viel Sympathie auch inzwischen Und man denkt dann schmerzlich an große Abrissvorhaben.

00:31:08: Auch ein Gebäude von Josef Kaiser, das Außenministerium der DDR musste weichen dem Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses wo wiederum auch der Palasterepublik, an dessen Planung Josef Kaiser mitgewirkt hatte, stand.

00:31:21: Also es ist ganz schön viel verloren gegangen.

00:31:23: und diese Neubewertung ich glaube die ist wichtig für die Identität aller die Nicht nur die im Osten geboren sind oder die einfach so eine Identität verspüren.

00:31:32: Und deswegen sind wir über diese Neubewertung ausgesprochen glücklich und wirken ja daran auch mit.

00:31:38: Ja, und dieser Einzigartigkeit in Europa von so einem Boulevard das ist jetzt erst noch mal richtig aufgearbeitet worden.

00:31:45: natürlich gibt es in Krakow ähnliches, aber eben nicht so in dieser boulevardmäßigen Anlage.

00:31:53: Also das ist schon auch nochmal sehr einzigartig hier in Berlin und im Vergleich dann noch zusammen mit dem Hansa-Viertel in Westberlin in der Tat ein großartiges Kulturerbe.

00:32:03: Die Systemkonkurrenz ist natürlich bei der Betrachtung von Berlin ganz besonders.

00:32:07: Und auch einzigartig, dass man wirklich so konkurrierende Systeme hat die unterschiedliche Bauvorhaben umsetzen.

00:32:14: auf der einen Seite eben die Karl-Marx Allee sollte eine ideale Hauptstadt werden der DDR auf der anderen Seite ein komplett anderes Konzept im Hansa Viertel und da wären ja häufig auch die Gebäude miteinander verglichen Der Zuperlast mit dem Kino international beispielsweise und es fällt ja auch auf so wahnsinnig groß sind diese Unterschiede gar nicht.

00:32:34: Das haben wir auch in vergangenen Ausstellungen der Berlinischen Galerie immer wieder aufzeigen können durch die Projekte, die Ulla Müller realisiert hat dass es da ziemlich viele Parallelen gibt.

00:32:42: Ja in der Tat.

00:32:43: und was?

00:32:45: um nochmal auf Josef Kaiser dann zurückzukommen ihm ist ja hier auch wirklich ein Kuh gelungen weil er hat das meinte ich vorhin mit politischem Gespür auch.

00:32:54: Es gab ja die Rede von Nikita Krusstoff in Moskau, der gefordert hatte dass man nicht so wie in dem ersten Bauabschnitt der damals Stalinallee heute Karl Marx Allee realisierten Abschnitt also das man da nicht so repräsentativ und aufwändig und handwerklich mehr bauen soll sondern billiger schneller und besser natürlich.

00:33:17: Und das wurde dann ein Jahr später auch in der Bauchonferenz der DDR wirklich beschlossen Und er war sofort dabei und hatte Entwürfe parat.

00:33:27: Und zwar hat er erst, das ist noch im ersten Bauabschnitt dann realisiert mit dem Kino Kosmos einen fantastischen Entwurf geliefert gehabt der genau diese Forderungen alle erfüllt.

00:33:38: vor allem er war ein präziser Rechner und wir haben ganz viele Sachen im Nachlass wo man seine ganzen Rechnereien minutiös nachvollziehen kann Weil es ging vor allem um Billiger natürlich.

00:33:51: Und wie kann ich wirklich den Ansprüchen der Repräsentation gerecht werden, trotzdem an die internationale Moderne dann anschließen?

00:33:59: Weil sollte jetzt ein serielles Bauen sein – das war dann die logische Fortsetzung und das ist auch in einem modernen Stil bekam dadurch Und wie konnte er das jetzt alles umsetzen unter den doch sehr strengen Bedingungen?

00:34:13: Das ist ihm wirklich gelogen.

00:34:14: Da muss man sagen, dass hat der toll gemacht und deswegen konnte er dann auch mit Werner Dutschke zusammen diesen Wettbewerbsentwurf weiter gestalten und dann auch den ersten Preis bekommen und das realisieren wo wir hier sitzen.

00:34:28: Und es ist nach wie vor absolut zeitlos sehr elegant Ja, ich würde sagen, kommt immer noch sehr gut an bei den

00:34:37: Menschen.

00:34:38: Sogar die Forderung schneller und billiger zu bauen ist ja von extremer Aktualität.

00:34:42: Angesichts der Wohnungsnot in Berlin ist ja auch so was wie Modulbauweise wieder total angesagt mit ganz anderen Ansätzen ökologischer, energetischer natürlich aber da wird er plötzlich total aktuell.

00:34:56: Wir versuchen jetzt mal noch alle Zuhörer, die ja hier diesen Audio-Podcast nur hören können auch visuell ein bisschen abzuholen.

00:35:04: Und ich würde mal sagen wir gehen immer der Reihe rum solange bis uns nichts mehr einfällt und sagen mal so Begriffe das können Adjektive, das können Beschreibungen sein immer ganz kurz, die für euch diese Architektur ganz gut zusammenfassen über die wir hier die ganze Zeit reden.

00:35:19: Christine möchtest du anfangen?

00:35:20: Mit Century Style?

00:35:22: Dann sag' ich Fliesen!

00:35:25: Ich sag Eleganz.

00:35:26: Großzügigkeit und Leichtigkeit,

00:35:29: Weitläufigkeit,

00:35:31: hohe Decken,

00:35:32: sozialistischer Glamour

00:35:33: ... Und ein Bindung von Kunst darf man auch nicht vergessen!

00:35:38: Wie fällt noch das Holz auf?

00:35:42: Also im Kontrast zum Teil Rohbeton, schönes dunkles Walnussholz?

00:35:49: Überhaupt diese warmen Farbtöne hat ihn bevorzugt genommen Josef Kaiser, ja ist richtig.

00:35:56: Genau was macht denn wirklich diese Architektur von Joseph Kaiser ganz zentral aus?

00:36:03: Ja das sind schon diese Begriffe die wir gerade alle genannt haben natürlich diese Offenheit und Großzügigkeit.

00:36:09: man muss aber dazu sagen Ulbricht hat sich auch immer eingemischt.

00:36:14: also weil es war ihm natürlich sehr wichtig und ursprünglich waren diese Ladenbauten besitzen hier in einem davon oder gegenüber des Kino International, waren etwas niedriger geplant weil er musste ja mit Spitzen, Bleistift rechnen und durfte das also erstmal vom eigentlichen Gebot her gar nicht unbedingt so großzügig entwerfen.

00:36:35: Aber Walter Ulbricht wollte dann drüben das Foyer zwei Meter höher haben als geplant und dass hier die ganzen Ladenbauden ein Meter höher.

00:36:42: Er wollte diese Großzügigkeit noch stärker betonen.

00:36:45: Gestartet sind wir ja draußen vor dem Café und haben uns da die Straße auch schon angeguckt, sitzen jetzt hier drinnen an dem großen Holztisch.

00:36:54: Außenraum- und Innenraum wird auch sehr verbunden in dieser Architektur.

00:36:59: Genau das war eben auch ein sehr großes Anliegen.

00:37:02: deswegen auch diese raumbrohen Panoramafenster Das war ja wirklich eine Novum der Zeit.

00:37:09: dann auch diese Materialien wie Eluxal, dieses eloxierte Aluminium was dann verwendet wurde.

00:37:14: Das waren alles hochmoderne Materialien die hier erstmalig wirklich zum Anwendung kamen und es vermittelt ja ein ganz anderes Lebensgefühl wenn dieser Verbindung von diesem großzügigen Straßenraum mit den Innenräumen so wunderbar funktioniert als zb im ersten Bauabschnitt.

00:37:30: also da merkt man dass das ganz anderer Stil ist.

00:37:37: acht bis zehn geschossigen Wohnscheiben, haben Sie damals immer gesagt.

00:37:41: Passt er sich ja fantastisch an den ersten Bauabschnitt und das sind lauter so Merkmale die das Ganze zu einem Super-Ensemble zusammenfassen und dennoch hier ein anderes Lebensgefühl in diesem Bauabschnitt

00:37:54: vermitteln.".

00:37:55: Und um die Architektur von Josef Kaiser kennenzulernen empfiehlt sich nicht nur einen Stadtrundgang sondern auch ein Besuch der Ausstellung in der berlinischen Galerie.

00:38:05: Das kann man noch bis zum ersten Februar.

00:38:08: Die

00:38:09: länger wir heute über die Karl-Marx-Alle sprechen, desto deutlicher wird.

00:38:13: diese Gebäude erzählen nicht nur von der DDR.

00:38:16: Sie erzählen auch davon wie wir heute noch mal auf Architektur blicken was früher vielleicht ganz selbstverständlich war oder politisch gelesen wurde entdecken viele heute mit ganz neuen Augen.

00:38:26: Warum erleben die Gebäuden der DDR moderne gerade jetzt so ein Comeback?

00:38:32: Nein Ich kann mir vorstellen, dass ein wichtiger Grund der historische Abstand auch ist.

00:38:36: Den wir mittlerweile haben weil wir wissen das unmittelbar nach der politischen Wende die bauten eher verpönt waren.

00:38:44: es wurden wichtige Bauten von Josef Kaiser abgerissen sie wurden vernachlässigt

00:38:49: und

00:38:50: das hat sich ja seit einigen Jahren Gott sei Dank verändert und deswegen machen wir ja auch diese Ausstellung um da wieder viel mehr Aufmerksamkeit noch mal drauf zu lenken und durch diesen historischen Abstand noch mal zu sagen, welche Wichtigkeit und Bedeutung die Architektur

00:39:06: hat.

00:39:07: Eine wissenschaftliche und auch ästhetische Neubewertung der Baukultur der DDR steht für mich da im Mittelpunkt – und eben ganz eng damit verbunden – der Verlust vieler Bauten, die in den neunziger Jahren nach der Wiedervereinigung ziemlich leichtfertig wie wir heute sagen müssen abgerissen worden sind.

00:39:23: Herr Köhler, Frau Müller vielen Dank für Ihre Einblicke und ihre Zeit!

00:39:27: Vielen Dank dass wir hier sein konnten!

00:39:32: Die Kamalksalee wurde quasi

00:39:33: eins gebaut, um die

00:39:34: Zukunft zu zeigen und heute erzählt sie vor allem von ihrer Vergangenheit.

00:39:39: Aber für manche Stichpunktostalgie liegt vielleicht auch darin die Anziehungskraft.

00:39:44: Ob nun das neu eröffnete Mockermilch?

00:39:46: Das restaurierte Kino International oder die Ausstellung Josef Kaiser bauen für die DDR in der berlinischen Galerie.

00:39:53: Sie alle laden dazu ein Berlin einmal aus einer anderen Perspektive kennenzulernen.

00:39:58: Alle Informationen zu den Orten, Öffnungszeiten und der Ausstellung findet ihr wie immer in unseren Shownotes.

00:40:04: Und in zwei Wochen hört ich hier wie gewohnt den Monatsausblick für den kommenden Monat!

00:40:10: Also folgt dem Podcast gerne um keine Folge zu verpassen.

00:40:13: Bis dahin wünschen wir euch viel Freude beim Entdecken dieser Stadt.

00:40:17: Danke fürs Zuhören.

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